Altenpflege

Anderen Menschen helfen und selbst daran erkranken? – Traurige Realität im Pflegeberuf!

Der Pflegeberuf – Pflegende sind unterschiedlichsten Belastungen am Arbeitsplatz, sprich bei der Pflege, ausgesetzt. Neben Gesundheitsschäden und psychischem Stress können dies aber auch soziale Folgen (Konflikte im Team oder mit den gepflegten Personen) oder organisatorisch vermeidbare Fehlerquellen sein. All dies und jedes für sich kann der Liter Wasser sein, der das Langmuts-Faß einer Pflegeperson zum Überlauf bringt. Es wäre bei den verbreiteten Belastungen und der hohen Duldungsbereitschaft von Pflegenden verkehrt, nur von Tropfen zu schreiben. Unzufriedenheit und Ärger, die in Burnout-Symptomen enden, Flucht-Kündigungen oder ein viel zu hohes Maß an Krankmeldungen (Fehlzeiten) können Indizien für Überlastung sein. Sie werden oft mit als Gründe für Pflegenotstand in Verbindung gebracht.

Ausstattung und Strukturen der Einrichtungen

  • Ein Hauptmangel ist die Überlastung mit Arbeit für die einzelnen Beschäftigten. Personalmangel ist meistens der falsche Ausdruck dafür, dass nicht genügend Personal für den leistenden Arbeitsumfang eingestellt werden darf oder aus Spargründen nicht soll.
  • Die Pflegesatzvereinbarung z. B. in Baden-Württemberg von 1989 sah für den Bereich der Altenpflege einen Personalschlüssel von 1: 2,37 vor, der ausgerichtet war auf einen Anteil von rund 20 Prozent gerontopsychiatrisch Pflegebedürftiger. Für Spezialeinrichtungen, die sich ausschließlich der Versorgung gerontopsychiatrisch Pflegebedürftiger widmeten, war ein Personalschlüssel von 1: 2,16 vorgesehen. Dieser Personalschlüssel ist seitdem nicht wesentlich verändert worden, allerdings stieg der Anteil an Demenz leidender Personen in der Pflegeheimen zum Teil auf über 80%. Die Umstrukturierungen durch die Pflegeversicherung führten zum Teil in Einrichtungen zu „plötzlichen“ finanziellen Engpässen, die Leitungen durch Personaleinsparungen aufzufangen versuchten.

Mängel in der Personalführung




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  • Unzulängliche Dienstpläne, die laufend nachgebessert werden müssen
  • Ausbildungsmängel der VerwaltungsleiterInnen / HeimbetreiberInnen (aber auch HWL, Küchenleitung, HL)
  • fehlende Qualifikation der Leitenden Pflegenden (PDL)
    Der häufigste Grund für innere Kündigungen sind Fehler im Führungsverhalten der Vorgesetzten. Die schwerwiegendsten Führungsfehler der Chefs sind: Über die Köpfe der MitarbeiterInnen hinweg zu entscheiden. Nicht bereit sein, offen und sachlich zu diskutieren. Die Mitarbeitenden bei Vorschlägen zu blockieren und zu demotivieren. Und immer wieder: Pflegende wollen rechtzeitig genügend informiert werden.
  • Jede Vorgesetzte braucht die Fähigkeit zum Konflikt. Sie soll ja nach einer Auseinandersetzung MitarbeiterInnen wieder anspornen, motivieren können ohne den schalen Beigeschmack der Verwundungen eines quasi persönlich geführten Streits.
  • ÄrztInnen, die sich dem Pflegepersonal gegenüber immer noch wie Feldwebel auf dem Kasernenhof betragen
  • fehlende Pflegestandards, Organisationsrichtlinien für „normale“ Stress-Situationen
  • fehlende Organisationshilfsmittel, um Verwaltungs- und Dokumentationsabläufe zu vereinfachen (Vom Schreibplatz bis zum PC)
  • Leitbild einerseits und Führungsstil, Kommunikationsformen andrerseits klaffen erschreckend aus einander

 

Interpersonelle Fehlerquellen

  • Innere Kündigung. Arbeitnehmer, die innerlich gekündigt haben, sind am Arbeitsplatz anwesend, aber nicht leistungsbereit und verweigern schließlich jede Leistung, die über das Minimum hinausgeht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Unter innerer Kündigung leiden nicht nur die Unternehmen, sondern die Mitarbeiter selbst. Häufig stellen sich psychosomatische Beschwerden ein. Im Kampf gegen innere Kündigung müssten Beschäftigte, Vorgesetzte und Unternehmen eng zusammenarbeiten. Das Ausmaß der inneren Kündigung wird häufig unterschätzt, weil darüber nicht offen gesprochen wird. Die innere Kündigung ist keine spontane Trotzreaktionen auf einen Streit oder ein Abmahnung. Sie ist vielmehr ein langsamer Prozess. Viele Betroffenen sind über Jahre hinweg gekränkt, enttäuscht und verletzt worden, bis sie innerlich kündigten. Angesichts der Arbeitsplatzsituation haben sie ja keine Aussicht auf einen Neuanfang in einer anderen Stellung.
  • Kommunikationsprobleme durch mangelhafte Kommunikationsstrukturen

 

Von den Krankheiten der gepfl. Personen ausgehende Belastungen

  • Die hohe Fluktuation oder anders ausgedrückt die kurze Verweilzeit der PatientInnen und BewohnerInnen ist von der Politik volkswirtschaftlich gewünscht. Pflegerisch macht sie wenig Sinn und führt u. a. zu ungenügender Kenntnis der Probleme und Fähigkeiten (oder Ressourcen) bei den Pflegenden.
  • In den Pflegeheimen steckt hinter diesen Zahlen noch ein besonderes Problem: die hohe Anzahl von Personen, die „zum Sterben“ ins Heim gebracht werden. Angeblich gebracht werden müssen, weil das Gesundheitswesen finanziell überfordert sei eine gute Fortsetzung im Krankenhaus oder im ambulanten Bereich zu organisieren. Tatsächlich haben die Heime nicht die Ausstattung von Hospiz-Einrichtungen, die allerseits als Vorbild angesehen werden. Und die auf die Pflegenden als Beweis wirken, dass menschenwürdiges Sterben ja durchaus organisierbar wäre. Viele erleben diese Mängelverwaltungs-Lage als subjektives Versagen.
  • Wie beschrieben hat sich der Anteil von 1985 rund 20 Prozent gerontopsychiatrisch Pflegebedürftiger zum Teil auf über 80% bis 2005 erhöht. Empathie und Freundlichkeit sind aber fast bei niemandem unbegrenzt vorhanden. Besonders nicht, wenn gleichzeitig körperlicher Höchsteinsatz verlangt wird. Die Verbesserungen in der Ausbildung des Personals der letzten Jahre konnten das nicht ausgleichen, was die Unzulänglichkeit großer Stationseinheiten für die Betreuung verängstigter oder desorientierter an Demenzen Leidender bedeutet.
  • Angehörige sind ein wichtiger Teil der Pflege, ambulant sowieso aber auch im Pflegeheim sind sie eigentlich wie Gold einzuschätzen. Es gibt zu wenige und die Verteilung ist extrem verschieden. Nicht selten spielt „schlechtes Gewissen“ eine Rolle bei Maximalforderungen für die eigene Mutter auf Kosten aller anderen zu pflegenden Personen. Damit sind massive Konflikte mit dem Personal vorprogrammiert. Das bedeutet, dass eine „schwierige“ Angehörige die Entlastungswirkung von fünf „kooperativen“ Angehörigen glatt „zunichte macht“. Anleitung und Zuwendung benötigen aber jedenfalls beide Arten von Verwandten oder Besuchenden, die nicht verstehen können, was in ihrer Tante, ihrem Vater etc. gerade vorgeht.

 

 

Quelle: PflegeWiki
Tim Schenk

Tim Schenk

Mein Name ist Tim Schenk. Ich bin in der Pflege tätig und betreibe nebenbei diesen Blog. Ich teile meine Erfahrungen mit euch und berichte über die Alten- und Krankenpflege. Eine Bindung zwischen mir und den Lesern ist mir wichtig, Spaß und Unterhaltung haben bei mir eine hohe Priorität.

1 Kommentar

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  • Ich arbeite zwar nicht professionell im Pflegedienst, aber muss mich rund um die Uhr um meine Eltern kümmern, obwohl ich Kinder habe und arbeite. Ich merke selbst wie ich erkranke. Ich spiele wirklich mit dem Gedanken meinen Eltern das Angebot „stationäre Pflege“ zu unterbreiten. Da gäbe es für die auch weitaus qualitativere Pflege als bei mir. Ich kann, dass nicht alles unter einen Hut bringen und dann noch überall gleich gut sein.

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Über mich

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